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Projekt V - Süd- und Südwestprovinzen
Sonographieausbildung der Ärzte aus den
Süd- und Südwest-Provinzen
Afghanistans

 Aufbaukurs vom 25. August bis 8. September 2007

Nachdem der ADAV im Frühjahr 2007 den Anfängerkurs in Kabul für die Ärzte aus den Süd- und Südwestprovinzen erfolgreich durchgeführt hatte, wurde jetzt der Aufbaukurs des 5. Projekts absolviert. Die Ärzte, die bereits am Anfängerkurs teilgenommen hatten, (insgesamt 18 Ärzte, davon 5 Frauen) waren Mitte August 2007 nochmals über den Durchführungstermin durch Dr. Saigal benachrichtigt worden.

 Um längere Fahrten in der Stadt zu vermeiden, haben wir diesmal die Ausbildung im Aliabad Lehrkrankenhaus der medizinischen Universität Kabul durchgeführt. Dieses Lehrkrankenhaus liegt nur 3- 4 Autominuten vom Unterbringungsort der Dozenten entfernt im Stadtteil Shahrenau. Inhalt des Unterrichts war diesmal Pathologie in innerer Medizin sowie Gynäkologie und Geburtshilfe (siehe das Curriculum). Das Aliabad Krankenhaus hat eine chirurgische, internistische, neurologische und psychiatrische Abteilung. Da hier keine gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung war, mussten wir den Unterricht für 2 Tage in der Nähe des Aliabad Krankenhauses zum Malalai Krankenheus, dem größten Gynäkologie- und geburtshilflichen Krankenhaus in Afghanistan umsiedeln. Dort wurden die Ärzte mit den schweren Fällen in dem Fachgebiet Gynäkologie und Geburtshilfe vertraut gemacht.

 Die Leiterin des CURE International Krankenhauses, Frau Dr.  Jacqueline C. Hill, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, wurde von mir zu dem Kurs eingeladen. Sie hat am Mittwoch, den 5. September über die Wichtigkeit der Sonographie in der Gynäkologie und Geburtshilfe unterrichtet. Das CURE International Krankenhaus hat eine gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung, Pathologie sowie eine plastische chirurgische Abteilung. Es liegt im Ortsteil Darlaman in Kabul. Frau Dr. Hill ist über das Gesamt-Engagement des ADAV sehr erfreut. Über eine Zusammenarbeit in der Zukunft wurde gesprochen.

 Die von mir mitgebrachte Broschüre über Sonographie, geschrieben von Dr. Sultansei in Paschtu-Sprache, wurde an die Ärzte verteilt.

 Wir möchten hier nochmals betonen, dass Dr. Kamal wieder sehr gute Arbeit geleistet hat und uns beim theoretischen und praktischen Unterricht eine große Unterstützung war. Außerdem hat uns Frau Dr. Naida sehr bei der praktischen Arbeit unterstützt. Zu erwähnen ist auch die Zusammenarbeit mit Dr. Din Maohammad Najah, Direktor der radiologischen Abteilung des Aliabad Krankenhauses sowie Dr. Nek Mohamad Wahidi, Radiologe vom nationalen radiologischen Institut.

 Frau Dr. Peltz, Vertreterein des DAAD in Kabul, hat uns im Aliabad Krankenhaus beim Unterricht besucht und sich über unsere Arbeit informiert.

 Nach wie vor fand die Prüfung zum Ende des Kurses statt. Am 7. September 2007 wurde die schriftliche und mündliche Prüfung durchgeführt. Alle Teilnehmer haben die Prüfung bestanden. Am Nachmittag wurden die Zertifikate verteilt.

 Unsere Bedenken, dass die Ärzte aus den Provinzen nicht rechtzeitig nach Kabul kommen könnten, hat sich nicht bewahrheitet. Sie waren alle pünktlich da und haben den Unterricht regelmäßig verfolgt und erfolgreich beendet.

 Es wurde angemeldet, dass der Abschlusskurs im März 2008 in Kabul stattfinden wird. Die Teilnehmer wurden nochmals darauf hingewiesen, dass sie in der Zwischenzeit die praktischen Übungen in ihren Kliniken intensivieren müssen.

 Zur Vorbereitung der radiologischen Kurse habe ich mit Dr. Saigal Mehri beim Gesundheitsministerium mit dem Präsidenten der Krankenhäuser-Abteilung gesprochen. Die Selektion der Ärzte wird vom Ministerium durchgeführt. Es werden 10 Ärzte und MTAs aus Kabul und 10 aus den Provinzen ausgewählt. Es ist geplant, am 19. Oktober 2007 mit dem radiologischen Training im Kabul im Aliabad Krankenhaus zu starten.

Allgemeine Lage in Kabul

Mir fiel bei dieser Reise besonders auf, dass viele neue private Krankenhäuser in Afghanistan gegründet wurden. Hier haben gute und erfahrene Ärzte, die vorher in den staatlichen Institutionen beschäftigt waren, eigene Kliniken und Krankenhäuser eröffnet und verbringen ihre Energie und Zeit dort. Jetzt klagen viele junge Ärzte in den staatlichen Institutionen darüber, dass sie auf Grund des Mangels an erfahrenen Ärzten und Professoren in den staatlichen Häusern nicht mehr ausreichend lernen können. Leider schreitet der Trend der Privatisierung und freien Marktwirtschaft in der Gesellschaft fort und wird von der Regierung unterstützt. Die Teuerungsrate der Verbrauchsmaterialien und Nahrungsmittel ist enorm. Die Preise der Grundnahrungsmittel wie Mehl und Öl haben sich in den letzten 6 Monaten verdrei- und vervierfacht. Für einen Beamten zum Beispiel, der 3.000 Afghanies (ca.60 $) Gehalt hat, ist es fast unmöglich zu überleben. Zwangsläufig wird dadurch die Korruption gefördert.

 Die Sicherheitslage hat sich insgesamt verschlechtert. Für die Exil-Afghanen, die nach Afghanistan reisen und sich in Lowprofil halten, ist es noch nicht so gefährlich. Leider hat sich die Lage für die Europäer und amerikanischen Besucher verschlechtert. Im Vergleich zu 2002 und 2003 sieht man kaum einen europäischen oder nordamerikanischen Ausländer alleine auf der Straße. Die meisten fahren mit Security-Begleitpersonen im Auto (dies wird auch von den Institutionen, mit denen sie arbeiten, so gefordert). Fast jede NGO beauftragt eine Sicherheitsfirma zum Schutz, dadurch ist die Nachfrage nach Security-Companies enorm groß.

 Das Engagement der Asyl-Afghanen ist gerade jetzt in Afghanistan besonders notwendig. Der ADAV wird seine Arbeit, falls die Sicherheitslage sich nicht verschlechtert, weiterhin  durchführen. Wir werden versuchen, die afghanischen Kollegen, die in Afghanistan als Ausbilder noch in Frage kommen, nach Deutschland zu holen und hier als Ausbilder auszubilden. Der ADAV hat mit der Unterstützung von DEGUM Dr. Kamal aus Kabul und Dr. Jubran aus Mazar-I-Sharief eingeladen. Die beiden Ärzte, die für uns in Afghanistan wichtige Arbeit in Kabul und in den Nordprovinzen leisten, werden am DEGUM-Kongress vom 24.-27. Oktober teilnehmen.

 Dr. Zahir Nazary, ADAV Vorstand


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