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Projekt Mazar-i-Sharif
Sonographieausbildung der afghanischen Ärzte in Mazar-i-Sharif
Provinz Balkh im Norden von Afghanistan

Anfängerkurs: vom 30.04.04 bis 12.05.04

Nach erfolgreich durchgeführten 6 Sonographiekursen in Kabul hat der ADAV entschieden, die Wiederaufbauarbeit in die Provinzen zu verlegen. Es wurde die Provinz Balkh mit der Stadt Mazar-i-Sharif als Ausbildungsort gewählt. Das Projekt beinhaltet auch 3 Kurse: Anfängerkurs, Aufbau- und Abschlusskurs.

Mazar-i-Sharif ist die Hauptstadt der Provinz Balkh. Die Stadt liegt etwa 420 km nördlich von Kabul und etwa 70 km südlich der Grenze zu Usbekistan, Thermez. Sie liegt in der Mitte der 8 Provinzen im Norden. Die Provinz Balkh hat etwa 900 000 Einwohner, 13 Distrikte und Subdistrikte. Es stammen schätzungsweise 30 % der  Bevölkerung aus Kabul, die in den 90 er Jahren  Kabul verlassen mussten, und nach Norden emigriert sind. Die Stadt hat eine historische Bedeutung. In Balkh ist Zaraduscht (Religionsführer der Zaraduschten) geboren und Abu Ali Saina Balkhi (Mediziner) ist in Balkh geboren und aufgewachsen. Historisch gesehen hat in der jüngeren Geschichte im November 2001 in einer Entfernung von 20 km  (kala-i-jangi) die berühmte Auseinandersetzung zwischen den Taliban und den Alliierten stattgefunden.

Geographisch hat die Stadt eine wichtige Bedeutung. Sie liegt im Zentrum der Nordprovinzen. Im Osten liegen die Provinzen Tachar, Badachshan, Baghlan und Kundus. Südwestlich liegen Samangan, Sarepul  Fariab und Badghis. Der ADADV hat bewusst Mazar-i-Sharif  als Ausbildungsort gewählt, da wir Ärzte aus den Ost- und Westprovinzen hier ausbilden können. Ein anderer Grund, um in die Provinzen zu gehen, war das Angebot einer Ausbildung für Ärztinnen, da viele Kolleginnen aufgrund der familiären Situation nicht nach Kabul reisen konnten.

Einreise nach Afghanistan von Norden:

Es war geplant, dass wir nach Mazar-i-Sharif über die Grenze Thermez/Heiraten reisen. An der Grenze zu Afghanistan(Usbekische Seite)  gab es Schwierigkeiten. Angeblich hat die Grenze Heiraten einen Sonderstatus. Sie ist nur durchgängig für Diplomaten und UN Personal. Nach einer 7-stündigen Verhandlung und Wartezeit konnten wir die Grenze überqueren.

Sicherheitslage: Vor unserer Reise habe ich mit Herrn Habibullah Habib, Gouverneur der Provinz Balkh und Dekan der Universität Balkh, in Mazar-i-Sharif Kontakt aufgenommen. Er wurde über unsere Ankunft vorher informiert, und hat entsprechende Sicherheitsvorsorge getroffen. Gewohnt haben wir in der Stadtmitte, im Barat Hotel. Es war möglich, in den District Balkh,  etwa 20 km entfernt zu reisen, und  die Provinzen Samangan und Tashkorgan zu besuchen. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass  dort, abgesehen von kleineren Auseinandersetzungen zwischen den 2 Hauptgruppierungen, die Sicherheitslage genauso gut war wie in Kabul.

Das Sonographieprojekt wurde vom Ministery of Higher Education und Ministery of Health in Kabul genehmigt.

Auswahl der Ärzte:   

Die Teilnehmer waren aus den Provinzen Baghlan, Jausjan, Talokan, Sheberghan, und Mazar-i-Sharif, drei Ärzte gehörten zur medizinischen Fakultät Balkh. Bezüglich der Ausbildung der Ärzte in Sonographie war ich seit April 2003 und wieder im Januar 2004 in Kontakt mit Herrn Hamidullah Habib. Leider konnten wir bei der Auswahl der Ärzte kein optimales Ergebnis erzielen. Deswegen musste Dr. Khoshal 10 Tage vor Beginn des Kurses in mehrere Provinzen reisen, um die in Frage kommenden Ärzte für die Prüfung anzumelden. Das Auswahltestat wurde in Mazar-i-Sharif  5 Tage vor Beginn des Kurses durchgeführt. Es haben etwa 65 Ärzte teilgenommen, davon wurden 20 ausgewählt.

Auf Druck der Behörden, vor allem der Gouverneure, mussten wir noch 4 Ärzte zusätzlich aufnehmen. Insgesamt nahmen 11 Ärztinnen und 13 Ärzte an der Ausbildung teil. Von Deutschland ist Dr. Nazary nach Afghanistan geflogen. Von Kabul sind Dr. Nawab Kamal und Dr. Ataullah nach Mazar-i-Sharif gereist.

Die Unterrichteinhalte wurden in Deutschland zusammengestellt und als 150-seitiges Skript  verteilt. Ein Lehrbuch (Buch Ultrasound Teaching Manual von Mathias Hofer in englischer  Sprache) wurde an die Teilnehmer verteilt. Es  fand wiederum 5 Tage internistischer und  4 Tage geburtshilflicher/gynäkologischer Unterrichte statt. Dr. Kamal hat uns in beiden Fächern  geholfen. Bei den praktischen Übungen war uns Dr. Ataullah sehr behilflich

Der Unterricht hat im Sehat-i-ame Krankenhaus stattgefunden. Das Krankenhaus gehört zum Gesundheitsministerium und hat 200 Betten (Innere, Chirurgie, Gynäkologie, Dermatologie, HNO, Pädiatrie und eine Station mit Infektiologie). Der Seminarraum wurde uns von der Chirurgischen Abteilung zu Verfügung gestellt. Wir haben mit dem Präsidenten der Medizinischen Fakultät, Abdullah Ghafur Hamdel, mehrmals ausführlich gesprochen.

Da die Medizinische Fakultät in Mazar-i-Sharif  kein Lehrkrankenhaus besitzt, mussten wir auf das Sehat-i-ame Krankenhaus ausweichen. Die Medizinstudenten werden hauptsächlich in diesem Krankenhaus ausgebildet. Es fungiert als Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät von Balkh. Z.Zt. gibt es 900 Medizinstudenten in der Medizinischen Fakultät von Balkh.

Wie aus dem Curriculum ersichtlich, konzentrierten wir uns hier in der Inneren Medizin mehr auf die Grundlagen, Physik des Ultrasound, Artefakte, Untersuchungsmethoden, Darstellung von Normalbefunden Aorta, Cava, Pankreas, Leber, Gallenblase, Nieren, Milz, Beckenorgane und Schilddrüse. Im gynäkologischen und geburtshilflichen Bereich wurden normale Schwangerschaften 1., 2. und 3. Treminum behandelt und am Schluss einfache gynäkologische Erkrankungen bearbeitet.

Die theoretischen Teile des Unterrichts wurden am Vormittag von 8.00 bis 11.00 Uhr durchgeführt, danach wurden die Patienten untersucht und die Untersuchungen an den Patienten demonstriert. Hier stand ein Kollektiv von Männern und Frauen als Patienten zur Verfügung. Der Unterrichtsinhalt war in Deutschland auf CD vorbereitet worden und wurde mit Laptop und Beamer vorgeführt.

Am 11.5.04 hat die Prüfung stattgefunden. Es  wurde der theoretische Teil mit 40 Punkten und der praktische Teil mit 60 Punkten bewertet. Drei Teilnehmer haben die Prüfung nicht bestanden. Hier haben wir die Teilnehmer aufgefordert, vor Beginn des Aufbaukurses im September sich noch mal prüfen zu lassen.

Für die Teilnehmer aus Mazar-i-Sharif wurde eine wöchentliche Supervision geplant. Dr. Hakim Hassib, tätiger Internist im Sehat-i-ame Krankenhaus wurde als Supervisor ausgewählt. In Mazar-i-Sharif gibt es z.Zt. drei niedergelassene Ärzte, die Sonographiegeräte besitzen.

Für diesen Kurs standen zwei Aloca portable Sonographiegeräte zur Verfügung (Transport von Kabul nach Mazar-i-Sharif ).  In diesem Kurs fehlte uns noch ein weiteres Aloca Gerät. Für 24 Teilnehmer sind zwei Geräte zu wenig. Ich hoffe, dass wir für den Aufbaukurs ein drittes Aloca Gerät finanziert bekommen. Diesbezüglich finden Gespräche mit MISERIOR statt.

Vorübergehende Stromunterbrechung ist in Mazar-i-Sharif genauso wie in Kabul ein Problem.

Wir haben unseren Diesel-Generator aus Kabul nach Mazar-i-Sharif transportiert. An den Tagen an denen es keinen Strom gab, waren wir oft auf diesen Generator angewiesen.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal die Arbeit von Dr. Kamal würdigen. Er ist in allen beiden Bereichen, Innere und Gynäkologie souverän aufgetreten, und glücklicherweise hatte

er auch nachmittags Zeit, die praktische Arbeit durchzuführen. Dr. Amonullah, von uns im 1. Ultraschall-Projekt in Kabul ausgebildeter Arzt in Sonographie, hat uns im praktischen Bereich sehr geholfen. Wir möchten uns bei beiden Kollegen bedanken.

Die organisatorische Arbeit, die einen erheblichen Aufwand darstellte, wurde von Dr. Khoshal in Afghanistan geleistet. Wir bedanken uns hiermit bei ihm. 

Insgesamt war der Anfängerkurs in Sonographie in Mazar-i-Sharif erfolgreich. Auffällig waren die schwächeren Grundkenntnisse der Kollegen, die in Mazar-i-Sharif oder in den anderen Provinzen in Medizin ausgebildet wurden im Vergleich zu den Kollegen der Medizinischen Fakultät Kabul. In Zukunft werden wir dies im Unterricht berücksichtigen und das Unterrichtstempo verlangsamen.

Für mich war sehr wichtig, afghanische Kollegen wie Dr. Kamal und  Dr. Atalullah zu motivieren nach Mazar-i-Sharif zu fahren. Ein Ziel ist es, die afghanischen Ärzte als Ausbilder und langfristig dort zu engagieren. Herr Dr. Kamal hat diese Arbeit wieder mit Freude und Engagement durchgeführt. Der ADAV hat entschieden, das Sonographiegerät von General Electric und ein anderes Gerät Ultramark 9HDI vom Phillips Dr. Kamal in Kabul während der unterrichtsfreien Zeit zur Verfügung zu stellen. Er wird ein Sonographiezentrum aufbauen. Wir werden ihm beim Aufbau behilflich sein.

Obwohl wir einen Anfängerkurs in einer Stadt und einer Provinz durchgeführt haben, die weit von Kabul entfernt liegen, sind wir trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Arbeit zufrieden. Der Aufbaukurs wird  im September und der Abschlusskurs im November 2004 durchgeführt. Von Seiten der Behörden ist man in den nördlichen Provinzen sehr an unserer Arbeit interessiert und wir wurden aufgefordert, ein zweites Projekt auch in Mazar-i-Sharif durchzuführen. Der ADAV hat über ein zweites Projekt in Mazar-i-Sharif noch nicht entschieden. Es ist geplant im Jahr 2005 ein Sonographieprojekt in der Provinz Herat durchzuführen. Interesse besteht auch aus der Provinz Badachskhan.
Um die soziale Stabilität Afghanistan zu erreichen, ist die Realisierung solcher und ähnlicher Projekte in den Provinzen unabdingbar. Ohne finanzielle Unterstützung von Seiten der Behörden können solche Projekte in Zukunft nicht durchgeführt werden. Der ADAV hat nur einen begrenzten finanziellen Rahmen. Wir hoffen auch zukünftig auf die Unterstützung der Behörden in Deutschland und Afghanistan.

Dr.med. Zahir Nazary, Vorstand ADAV

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