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Projekt Kabul
Sonographieausbildung der afghanischen Ärzte in Kabul

Aufbaukurs: vom 25.12.02 bis 08.01.03

Im Oktober 2002 hatte der Afghanisch-Deutsche Ärzteverein (ADAV) einen Grundkurs in abdominaler und gynäkologisch-geburtshilflicher Ultraschalldiagnostik für junge afghanische Ärzte unter der Leitung von Dr. A .Dohmen und Dr. B. Siegel in Kabul erfolgreich durchgeführt. Diese Grundlage sollte jetzt für einen Aufbaukurs genutzt werden. Der Kurs fand jeweils ganztägig im Rabia Balkhi Krankenhaus, einem Krankenhaus für Frauen im Zentrum von Kabul statt. Das Krankenhaus selbst ist derzeit wegen ausgedehnter Renovierungsarbeiten nicht in Betrieb, uns konnte trotzdem ein angemessen großer Unterrichtsraum zur Verfügung gestellt werden. Die Teilnehmer waren die gleichen wie zum Grundkurs, 10 Ärztinnen und 12 Ärzte, vorwiegend aus Krankenhäusern in Kabul, aber auch aus der Provinz, aus Nangarhar, Logar und Jawsjan. Referenten und Kursleiter waren Fr. Dr. B. Utz,  angehende Frauenärztin vom Krankenhaus Bruchsal;  Dr. H. Alam, Frauenarzt, in eigener Praxis tätig;  Dr. Zahir Nazary, Allgemeinmediziner und Phlebologe, in eigener Praxis tätig;  Dr. J. Reuß, Internist und Gastroenterologe, Oberarzt am Kreiskrankenhaus Böblingen, Seminarleiter der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin DEGUM. Der Aufbau des insgesamt 3-teiligen Kurses folgt den von der DEGUM aufgestellten Empfehlungen. Unterrichtssprache war Englisch, es erfolgte aber eine laufende Übersetzung des Unterrichts in Dari.

Der systematische Unterricht in Form von Vorlesungen behandelte in der Abdominal-sonographie pathologische Veränderungen an der Leber, der Gallenblase und der ableitenden Gallenwege, der Bauchspeicheldrüse, der Milz sowie der Nieren und ableitenden Harnwege. Die Schilddrüse wurde nicht behandelt.  Im gynäkologischen Bereich pathologische Veränderungen von Gebärmutter und Eierstöcken. Auf die im Grundkurs bereits vorgestellten Normalbefunde wurde in kurzen, Zusammenfassungen nochmals eingegangen. Im geburtshilflichen Bereich erfolgte die Darstellung der normalen und pathologischen Veränderungen im 1. sowie im 2. und 3. Trimenon, inklusive der wichtigsten intrauterin erkennbaren Missbildungen. Das schwierige Gebiet der Sonographie der weiblichen Brust konnte nur gestreift werden.

Der ausgedehnte praktische Teil konnte an Patienten durchgeführt werden, die von den Kabuler Krankenhäusern sowie von Privatpraxen zugewiesen wurden. Viele dieser Patienten hatten relevante krankhafte Befunde, einige der Patienten mussten umgehend notfallmäßig zur Operation in Krankenhäuser eingewiesen werden. Alle Untersuchungen fanden unter ständiger Supervision der Kursleiter statt. Die Befunde wurden dokumentiert und in Form eines Befundes den Patienten mitgegeben.

Bei unterschiedlichen theoretischen und praktischen Kenntnissen der Kursteilnehmer konnte rasch ein guter Fortschritt der Fähigkeiten beobachtet werden. Am schwierigsten war für alle Teilnehmer das Denken in Schnittbildern, eine Erfahrung, die auch seinerzeit in Deutschland bei der Einführung der Schnittbildtechniken Sonographie und CT gemacht werden konnte.

Die Überprüfung des Lerneffektes erfolgte am Ende des Kurses in Form einer theoretischen und praktischen Prüfung, vergleichbar den Prüfungen in Kursen von DEGUM- Seminarleitern.

Erfreulicherweise haben alle Teilnehmer diese Prüfung bestanden und anschliessend ein Zertifikat darüber erhalten, das zur Teilnahme am Abschlusskurs im April 2003 berechtigt. In der unterrichtsfreien Zeit, bis März 2003, wird Herr Nawab Kamal als Supervisior, mit Unterstützung des DED, einmal wöchentlich die Ärzte bei Untersuchungen betreuen.

Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass die jungen afghanischen Ärzte ein gutes, geordnetes systematisches Grundwissen in der Medizin haben. Aufbauend auf diesem Wissen ist es bei gezielter Förderung problemlos möglich, diese Ärzte für weitergehende Aufgaben zu trainieren. Die Bereitschaft dazu ist vorhanden. Ein öffentliches Gesundheitssystem in Afghanistan ist allerdings nur in Ansätzen vorhanden. Es gibt Krankenhäuser, die jedoch kaum über die notwendige Ausstattung verfügen, weder auf diagnostischem noch auf therapeutischem Gebiet. Die Sonographie ermöglicht in der Inneren

Medizin, der Chirurgie und der Frauenheilkunde rasch und finanziell günstig die Erweiterung der Diagnostikmöglichkeiten in Kliniken und privaten Praxen. Mittels preisgünstiger mobiler Geräte mit Akku-Betrieb kann auch in ländlichen Bereichen mobil und dezentral gearbeitet werden. Höherwertige Sonographiegeräte in zentraleren Positionen mit Doppler- und Farb-Dopplermöglichkeiten sowie der Möglichkeit zur kontrastverstärkten Sonographie erweitern die Diagnostik erheblich und ersetzen vielfach die radiologischen Schnittbildverfahren. Der Finanzaufwand für die Installierung radiologischer Verfahren (Computertomographie, Kernspintomographie) ist um ein Vielfaches höher. Um den sinnvollen Einsatz der Sonographie sicherzustellen, ist eine gute Ausbildung der Ärzte Voraussetzung. Dies gilt übrigens auch für die radiologischen Verfahren.

Die Sonographie ermöglicht auch den Einsatz preisgünstiger interventioneller, ultraschallgesteuerter Therapieverfahren von Krankheiten, die, wie wir selbst erfahren konnten, in medizinisch wenig entwickelten Ländern häufig vorkommen. Dazu zählen nicht operative Therapien von Leberabszessen, Pleuradrainageverfahren, das in einem WHO-Protokoll festgelegte PAIR-Verfahren zur Therapie von Echinokokkuszysten, Alkoholinstillationsverfahren für die Therapie der häufigen Hepatitis-B-induzierten Leberzellkarzinome und vieles mehr. Der apparative Aufwand für diese Verfahren ist relativ gering, Ausbildung des Personals jedoch zwingend. Mittel- und längerfristig wird sich dieser Einsatz für die Ausbildung aber fraglos lohnen.

Zusammenfassend sollte also der Aufabu einer apparativen Versorgung des afghanischen Gesundheitswesens mit einer fundierten Aus- und Weiterbildung des Personals verknüpft werden. Wissensgrundlagen dafür sind vorhanden. Die Sonographie ist als breit und dezentral einsetzbares bildgebendes Basisverfahren sowie als zentrumsgebundenes spezialisiertes hochleistungsfähiges Verfahren geeignet, beim Aufbau eines leistungsfähigen öffentlichen Gesundheitssystems in Afghanistan eine tragende Rolle zu spielen. Gerade der vergleichsweise geringe apparative Kostenaufwand spricht dafür.

Wir bedanken besonders beim DED, Misereor, dem Afghanischen Gesundheitsministerium, der WHO und der Universitäts-Frauenklinik Freiburg für die großzügige Unterstützung. Durch ihre Hilfe und viele kleinere Spenden, war die Realisierung des Sonographiekurses  erst möglich.

Dr. med. Joachim Reuß
Internist/Gastroenterologe
DEGUM- Seminarleiter Innere Medizin
Oberarzt in der Inneren Medizin/Gastroenterologie
am Kreiskrankenhaus Böblingen
 

WHO                   World Health Organisation
Misereor             Bischoefliches Hilfswerk MISEREOR e.V
DED                     Deutscher Entwicklungsdienst

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