WWW.ADAV.de - Afghanisch Deutscher Ärzteverein e.V






 Home

 Neues

 MCH-Clinic

 Wiederaufbau

 ARTF-ExS

 Wir über uns

 Kontakt

 Links

 Reisen

 Bildergalerie

 Berichte-Archiv

 Jahresberichte

 MCH-Clinic

 Sono-Projekte

 Dachverband

 Reiseberichte

 Veranstaltungen































































TOP  
     
 
Projekt Kabul
Sonographieausbildung der afghanischen Ärzte in Kabul

Anfängerkurs: vom 22.10.02 bis 06.11.02

Erfahrungsbericht über den
Grundkurs Ultraschall Abdomen und Geburtshilfe des Afghanisch-Deutschen Ärztevereins

Der Afghanisch – Deutsche Ärzteverein hat mit Unterstützung der GTZ und der WHO sowie des MOPH den o.g. Ultraschall-Grundkurs in Kabul in den Räumen des Rabia-e-Balkhi Krankenhauses durchgeführt. Vorausgegangen waren organisatorische Vorbereitungen durch eine Delegation des ADAV, die zu diesem Zweck im August dieses Jahres Gespräche mit allen unterstützenden Organisationen in Kabul geführt hat. Diese sorgfältige organisatorische Vorbereitung erwies sich als sehr sinnvoll, weil wir dadurch sehr gute Bedingungen für die Durchführung unseres Kurses hier vorfanden und ohne wesentliche zeitliche Verzögerung mit der Ausbildung beginnen konnten. Problematisch waren lediglich immer wieder auftretende Einmischungen durch höchste Stellen des MOPH, die mit erheblichem Druck versuchten, über die vereinbarten 22 Kursteilnehmer weitere Interessenten in den Kurs einzuschleusen.  Dank unserer afghanischen Organisatoren, Dr. Rahim und Dr. Tasal, die uns während des ganzen Kurses zur Verfügung standen, konnten wir dieses Ansinnen jedoch erfolgreich zurückweisen mit der Begründung, dass mit lediglich zwei Ultraschallgeräten eine praxisorientierte Ausbildung von mehr als 22 Teilnehmern nicht durchführbar ist. Die Hilfe unserer afghanischen Kollegen war für uns insgesamt sehr hilfreich, da wir uns so ganz auf den Kurs konzentrieren konnten und uns nicht um organisatorische Probleme kümmern mussten. Wir hätten ohne diese Unterstützung als mit der afghanischen Lebensweise nicht vertraute Ausländer sonst sicherlich uns einige Male ungeschickt verhalten mit eventuell negativen Auswirkungen auf die weitere Unterstützung der afghanischen Autoritäten für die künftigen Projekte des ADAV.

 Die Auswahl des Rabia-e-Balkhi Krankenhauses als Veranstaltungsort stellte sich als sehr sinnvoll heraus, da hier sowohl genügend Patientinnen für den Abdomenkurs als auch für den Geburtshilfekurs zur Verfügung standen ( das Krankenhaus versorgt Frauen in einer gyn.-geburtshilflichen, einer internistischen, einer chirurgischen, einer HNO- und einer dermatologischen Abteilung). Das Personal des Krankenhauses stand uns auch jederzeit mit der Unterstützung vom ADAV hilfsbereit einschließlich bei der Bewirtung mit einer Pausenverpflegung zur Verfügung.

 Wesentlich hat zum Erfolg unseres Kurses die Mitarbeit von Dr. Nawab Kamal beigetragen, der alle von uns in englisch gehaltenen Vorträge abschnittsweise in die Landessprache übersetzt hat. Er hat aus seiner reichhaltigen Ultraschallerfahrung zusätzlich afghanische Besonderheiten mit eingefügt und war dadurch weit mehr als ein

Übersetzer. Während der Übungsphasen stand er uns als Tutor bis 13 Uhr täglich zur Verfügung. Da er über Erfahrung sowohl in abdomineller als auch geburtshilflicher Sonographie verfügt, war er uns in beiden Kursteilen eine wertvolle Unterstützung.

Die Kursteilnehmer waren vorab zu 2/3 vom Gesundheitsministerium ausgewählt worden. Der ADAV hatte 1/3 der Teilnehmer vorgeschlagen und als Bedingung eine Hoechstgrenze von 22 Teilnehmern festgelegt, um bei zwei Ultraschallgeräten ein ausreichendes Maß an Übungsmöglichkeiten sicherstellen zu können. Außerdem hatte der ADAV darauf gedrängt, weibliche Bewerberinnen ausreichend zu berücksichtigen. Es nahmen schließlich 10 Ärztinnen und 12 Ärzte an dem Kurs teil. Darunter waren fünf Teilnehmer aus den Provinzen Ningarhar, Logar und Jozjan  Die ursprünglich erhobene Forderung nach ausreichenden englischen Sprachkenntnissen wurde zwar bei einem Teil insbesondere der Teilnehmerinnen nicht erfüllt. Dank der Übersetzung durch Dr. Nawab Kamal stellte sich dies jedoch für die erfolgreiche Teilnahme nicht als Nachteil heraus.

Wir führten den Kurs in zwei Abschnitten durch. Die ersten 7 Tage standen physikalische und technische Grundlagen der Sonographie sowie Anatomie, Normalbefunde und die wichtigsten pathologischen Befunde der Bauchorgane auf dem Programm, in den folgenden 6 Tagen erfolgte die Einführung in Grundlagen und Normalbefunde sowie die wichtigsten pathologischen Befunde der geburtshilflichen Sonographie. Einzelheiten des Curriculums liegen Ihnen bereits mit den Antragsunterlagen für die Unterstützung des Kurses vor.

Jeder Tag bestand aus einem 2-stuendigen Vortragsteil sowie aus einem 2-stuendigen Übungsabschnitt. Auf Wunsch der Teilnehmer wurde die Übungsphase ab dem 3. Kurstag auf den Nachmittag bis ca. 16,30 Uhr ausgedehnt. Dies zeigt bereits das große Engagement der Kursteilnehmer, das während des ganzen Kurses anhielt. Die medizinischen Kenntnisse der Teilnehmer waren durchweg sehr gut, es zeigte sich, dass alle in ihrem Tätigkeitsbereich bereits über gute Erfahrung verfügten.

Am Ende jedes der beiden Kursteile wurde eine Abschlussprüfung durchgeführt, bei der die theoretischen Kenntnisse mündlich geprüft wurden, außerdem musste jede Teilnehmer/in einen kleinen Ultraschalluntersuchungsabschnitt praktisch demonstrieren. Alle Teilnehmer zeigten dabei gute Kenntnisse des erlernten Stoffes. Noch nicht befriedigend waren die praktischen Fertigkeiten im Untersuchungsablauf, dies entspricht jedoch den Erfahrungen in Grundkursen auch in Deutschland. Daher sind wir auch dankbar, dass es mit Unterstützung des DED möglich sein wird, unter Supervision von Dr. Nawab Kamal den Teilnehmern des Kurses in den nächsten Monaten weitere Übungsmöglichkeiten anzubieten.

Zum Abschluss erhielten alle Kursteilnehmer ein Zertifikat ueber die erfolgreiche Teilnahme, verbunden mit dem ausdrücklichen schriftlichen Vermerk, dass damit keine Erlaubnis zur eigenverantwortlichen Durchführung von Ultraschalluntersuchungen verbunden ist. Eine Teilnehmerin konnte aus familiären Gründen nur am Grundkurs Abdomen teilnehmen, sie bekam daher zum Abschluss auch nur ein Zertifikat über diesen Kursteil.

Rückblickend können wir feststellen, dass dank guter organisatorischer Vorbereitung, hervorragender Unterstützung durch  afghanische Fachkräfte und durch die hoch motivierte Mitarbeit der Teilnehmer/innen das Ziel unseres Ultraschallkurses ohne Einschränkungen erreicht wurde. Lediglich den ursprünglich zusätzlich geplanten Teil Grundkurs Sonographie der Schilddrüse haben wir nicht realisieren können, da dies nur auf Kosten der praktischen Übungen in den beiden anderen Kursteilen möglich gewesen wäre. Außerdem waren die verfügbaren Schallköpfe für die Sonographie der Schilddrüse nicht geeignet. Entgegen unseren ursprünglichen Erwartungen war es aber sehr wohl möglich, im Bereich der geburtshilflichen Sonographie auch vaginale Untersuchungen durchzuführen, was die Qualität der Untersuchungsergebnisse erheblich verbesserte.

Langfristig macht die jetzt erfolgreich abgeschlossene sonographische Grundausbildung allerdings nur einen Sinn, wenn diesem Anfang weitere Ausbildungsangebote ( Aufbau- und Abschlusskurs) folgen und damit eine Kontinuität in der sonographischen Ausbildung entsteht. Dadurch kann die Diagnostik auf Dauer auf angemessene Weise qualitativ verbessert werden. Dies ist gleichzeitig eine wichtige Voraussetzung, um die sehr begrenzten therapeutischen Ressourcen in Afghanistan optimal zu nutzen.

Wünschenswert ist für die Zukunft, dass über die jetzt begonnene Ausbildungsinitiative hinaus eine Kooperation mit Projektträgern angestrebt wird, die im Gesundheitsbereich dezentral Einrichtungen betreiben, für die das zusätzliche Angebot der Ultraschalldiagnostik eine sinnvolle Bereicherung darstellt. So könnte ein Beitrag dazu geleistet werden, dass nicht nur in Zentren wie Kabul, sondern auch in den unterversorgten Regionen auf dem Land die medizinische Versorgung der Bevölkerung verbessert wird.

Der Aufenthalt hier in Kabul war für uns selbst eine nachhaltige Erfahrung. Wir sind beeindruckt von der sehr konstruktiven Aufbruchstimmung unter den Menschen sowie von der überwiegend ausgezeichneten Arbeit, die hier im Gesundheitswesen unter unvorstellbar reduzierten Bedingungen geleistet wird. Den vielen Afghaninnen und Afghanen, denen wir begegnet sind und ganz besonders denen, die uns täglich geholfen haben, sind wir dankbar für die große Gastfreundschaft, die wir von ihnen erfahren haben. Der GTZ und dem DED danken wir für die großzügige Unterstützung bei unserer Arbeit.

Kabul, den 07.11.2002,
Dr. med. Beate Siegel, Dr. med. Tamim Rahim, Dr. med. Arndt Dohmen
    ADAV
Afghanisch Deutscher Ärzteverein e.V.
Kaiser-Joseph-Str.205 79098 Freiburg
E-mail:doctor@adav.de Tel.:+49 (0)761-2924064 Fax:+49 (0)761-2927831
Bankverb.: Sparkasse Freiburg BLZ 68050101 Konto-Nr.2308638
Anregungen oder Probleme e-mail an : Webmaster by STSP